Freitag, 30. März 2012
+
Liebe, Freude, Nähe, Offenheit, Freunde, viele Gedanken, noch mehr Gefühle, alles bunter, radikaler, bewusster.

"Mich nervt, dass du so verdammt umtriebig bist, als wärst du von einer tonnenschweren Last befreit, die mir verdammt ähnlich sieht", schreibt einer der geliebten Menschen, aber das ist nur schlechte Laune hofft man.
Auch wenn es stimmt. Ich fühle mich gerade befreit, aber nicht von einem Menschen, sondern von einer fixen Idee, wie manche Dinge sein sollten, weil es richtig(er) ist. Wer weiß denn sowas. Analog zu "gut ist, was heilt" muss doch bitte gelten "richtig ist, was einen glücklich macht".

Was da oben steht, macht mich glücklich. Glück zu schenken macht mich glücklich. Da zu sein, wenn ein Mensch genau das braucht, macht mich glücklich. Die ganze Palette von Gefühlen wieder spüren und sich trauen, dem nachzuspüren, macht mich glücklich. Akzeptiert werden, ohne einem Bild entsprechen zu müssen, auch. Liebe spüren, die nichts möchte außer Liebe und Glück schenken, macht mich glücklich. Ohne Angst leben, temporär nur, vielleicht, aber spürbar, ohne die eben vielen kleinen, diffusen Ängste, die einem alles vergällen können im Leben, fühlt sich an wie Glück.
Empathie leben, entspannt auf Menschen einlassen ohne jede Scheu oder Hintergedanken oder Wünsche, was sein soll.
Selbstfindung. Selbstspürung.
Beim Darten muss ich immer mal wieder genau in die Mitte treffen werfen, um mich einzunorden, wenn ich merke, dass etwas verschoben ist, dass die Kombination aus Körper, Kopf und Herz nicht stimmt - Mitte, um zu sehen, wie ich stehe, mich halte, atme und ob ich entspannt genug bin.
Gerade ist ganz genau die Mitte dran. Entspannt. Die Momente des "Im-Fluss-sein" mehren sich. Das ist die Dartspitze im genau mittigen Loch von vielen umliegenden.

[The Gaslight Anthem | Miles Davies & The Cool]



Montag, 23. Januar 2012
+ Nicht viel
zu erzählen, respektive lässt sich das Leben nicht wörtlich fassen, trotzdem nicht viel passiert.

Körperlich: Zwei sich in Betreuung befindende Magengeschwüre; die Behandlung - oder ich - sind aber nicht zufriedenstellend, sagt mein Weißkittel. Derweil schlag ich mich mit den Nebenwirkungen seiner Versuche herum, was mein Körper nicht goutiert - jesusmäßige Gesichts- und Kopfschmerzen auf Grund einer ver*piep*ten Sinusitis waren es diese Woche. Ich bleibe neugierig, was sich mein Immunsystem für die nächste Woche ausdenkt, wo ich auch nichts Stärkeres als Kamillentee zu mir nehmen darf dürfte.
Zwei plattgedrückte Daumen (und Zehen), weil es leider einem mir lieben Blogger (immer noch) viel schlechter geht. Aber das wächst sich aus - so und so - ich bin ja noch jung. Und er auch.

Seelisch: Ja, je, nun.

Geistig: Ja, nun. Ich lese zu wenig. Und von dem, was ich lese, bleibt zuwenig.

Emotional: Jetzt ist auch mal wieder gut, ne? Was weiß denn ich. Menschen fehlen. Sehr bestimmte, wenige. Manche sind auf Reisen, äußerlich, manche innerlich. Nichts, was man nicht kennt.

Äußerlich/Innerlich:
Ad 1: Bin ich wohl das, was man kennt. Warum auch nicht.
Ad 2: Das Experiment mit dem Gefühle offen zeigen hat in ersten, ausgiebigen Versuchen nur Schrammen verursacht. Zumal ich in entscheidenden Momenten über wichtige Dinge auch nicht reden kann, also - Selfnote ! - nicht mehr andere Menschen belehren, wie wichtig REDEN ist, gell?
"Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen", als Konsequenz des Logischen. Was man mit dem Verschwiegenen macht, das hat Wittgenstein leider nicht mitgeliefert; er verzeihe mir, dass ich seine schönen und stringenten Gedanken hier missbrauche.

Räumlich: Fast alles gut. Angekommen; eingerichtet im neuen Heim. Dabei, es wirklich zu einem Heim für mich zu machen. Novum. Gut.

Und ich: Ich schwimme. Irgendwo im Nirgendwo, leicht fern der Heimat, die noch Sehnsüchte heraufbeschwört - wettertechnisch, menschentechnisch.
(Unser bester Mann in W.™ sagt ja immer: "Egal, wo du bist - deinen Rucksack hast du immer dabei."
Well, ... ja. Aber es ist leichter an Orten, wo man leichter zurechtkommt, weil man sich zurechtfindet in den Menschen.)

Oder vielleicht: Ich kämpfe mich - immer wieder, jeden Tag - zur Oberfläche, wo Licht, Wärme und Sauerstoff sind.

Was bleibt: Musik. Viel. Viel Gutes, viel, viel Neues. Und Glenn Goulds CBC-Aufnahmen- endlich! - komplett! auf DVD - was will ich eigentlich mehr?

Was bleibt: Bleischwere, gedankenschwangere Nächte ohne Schlaf. Einige Viele.

Ich, ich warte schon wieder auf etwas; wenn ich nur mal mehr wüsste, was es eigentlich ist.

Nicht viel also.
Oder zuviel.
Also: Wie immer.
Zwischen Standstreifen und 3. Überholspur spielt sich das ab, was ich noch nicht so ganz als mein Leben akzeptiert habe. Wir* bleiben dran.

*Ich hab den zwei vorläufigen Gästen in meinem Magen Namen gegeben. Es hasst sich besser so, sagte man mir. Selbst für Menschen, die per falscher Chromosom-, Hormon- und Lebenseinstellung nicht hassen können. Oder wollen. Je nun.

Es wäre soviel einfacher, vielleicht, wenn man vergessen oder verdrängen könnte. Bedenken, Zweifel, Ängste. Nicht? Sie nicht zu haben steht ja wohl leider nicht zur Debatte; genau so wenig, wie ich mich in einen B*LD-Zeitungsleser verwandeln kann. Soviel kann ich leider gar nicht saufen.



Dienstag, 15. November 2011
+ Surreal
David Lynch macht Musik und Tom Waits wird immer noch besser.
Und heute Abend sind endlich die Jungs im Knust.

Es wird ja alles ganz bestimmt. Wenigstens musikalisch.



Donnerstag, 21. April 2011
+ Manche Dinge
erschüttern einen immer mehr als andere.

Spätestens seitdem er die Auszeichnung für das beste Presse-Foto des Jahres 2007 bekam, war er dauerhaft auf meinem Radar.

Und er hat uns (s)einen Einblick in das Grauen eines viel zu weit entfernten Krieges gegeben, dem man schon deshalb den Oscar gegönnt hätte, damit 100 Mal soviele Menschen diesen Film sehen.

Alles, was man von ihm sah und las und hörte, ließ auf einen enorm mutigen, empathischen und integeren Menschen und Journalisten schließen.

Von denen gibt es viel zu wenige. Und jetzt noch einen weniger.

R.i.p. Tim Hetherington

(Selber Tag, selber Ort, selber Krieg: R.i.p. Chris Hondros, ebenfalls Kriegsfotograf.)



Mittwoch, 24. November 2010
+ Ein Job, den ich nicht möchte
im nächsten Leben - falls es eines gibt: Schutzengel meines direkten männlichen Ahns.

Dass ein Klumpen von der Größe Kanadas sich direkt unterhalb des Knies verheddert und man dann noch mit barbarischen Schmerzen 2 Tage arbeiten geht, obwohl man den Kupplungshebel nicht mehr durchdrücken kann und auf den Automatik umsteigt - um arbeiten gehen zu können - und dass man seine Jüngste nicht anruft, weil man genau weiß, wie die einen mit der Peitsche zum Arzt treiben würde und dass man dann mit ein wenig guter Medizin davonkommt, nochmal, und das Bein behält - das ist alles nicht die Regel. Der Klumpen - an anderer Stelle - hätte Hirn oder Herz oder beides beendet. Und zwar nicht geschätzt, sondern definitiv. Dass dieser Warnschuss vermutlich wieder nicht ankommen wird, stimmt mich - beim Packen - unendlich traurig. Um mal Rilke zu bemühen: Alles dazu hört bei mir im Herzen auf zu sein.

(Und nein, danke - ich wusste schon vorher, woher ich meine prostestantische Arbeitseinstellung habe. Keine Beweise mehr nötig.)



Donnerstag, 11. November 2010
+ Ich hatte
auf die "neun" gehofft, gewettet und gewartet.

Und es ist gut. Und trotzdem: Es zerreißt einen.

3.11. 17:03

C. am Telefon: “Lebensunfähig, träge, dachte vorhin, ich geb alle Ziele auf, die ich habe, bis mir einfiel, ich hab ja gar keine.”

Bekomme jeden Tag Briefe und Karten, die ich nicht mehr beantworten kann. Grüße an dieser Stelle.


Und es gibt keinen Trost. Nur Menschen. Und das, was wir hatten und haben. Finden wir uns damit ab.



+ 91
ist ein schönes Alter.
Trotzdem macht es mich ein bisschen traurig; jetzt ist wieder einer weniger da, einer, der viel Quatsch produziert hat, aber auch (auf eine Art zumindest) den Wert von meinen Lieblingsfilmen "La strada" und "Blue velvet" erkannt hat.

Gute Reise Dino.



Montag, 25. Oktober 2010
+ Unmöglich,
Wolfgang Herrndorfers Blog in einem Zug zu lesen, anschließend etwas schreiben zu wollen: darüber, auch über sich selbst, relativierend die eigenen, kleinen momentanen Befindlichkeiten durchkauend. Unmöglich.

Vielleicht - nicht in einem Zug. Aber lesen Sie es. Entgegen ander "Leseempfehlungen" habe ich das Archiv über die Rückblenden und dann Nummern gelesen. Vielleicht ist es auch einerlei.

Ich werde jetzt ein Glas Wein auf ihn erheben und nichts mehr schreiben.



Freitag, 24. September 2010
+ Manchmal
stehe ich mir emotional dermaßen selbst im Weg, dass es schwer auszuhalten ist. Wie ja die eigene Dummheit an sich in jedweder Lebenslage eines der am schwersten zu ertragenden Eigenübel ist.



Mittwoch, 21. Juli 2010
+ Werden wir?
Es erkennen? Wenn es da ist? Werden wir das richtige Gefühl einräumen, die Zweifel ausräumen, alles Intellektuelle darüber vergessen können?

Wird es ein freudiges "Hallo - da bist du ja endlich - lange nicht gesehen" oder ein "Ist es das jetzt?" - sein?

Wir bilden uns ein zu wissen, was Glück ist oder nicht, wir streben danach und stellen es oft auf Platz Nummer 1 der Liste, was wir ersehnen und erhoffen. Was ist, wenn es ist?

Wie viel ertragen wir - der Mensch? Bevor Zweifel, Gedanken und schlechte Gefühle es klein reden, negieren, nicht mehr wahr nehmen?

Glücklich ist, wer glücklich sein will, sagt die Sozialwissenschaft. So einfach. Ich möchte hinzufügen: Und wer sich selbst für wert befindet, es zu sein. Und wer glauben kann. Und Gedanken negieren, die davon erzählen, dass es ja nicht mehr sein wird - irgendwann.

Ich will glücklich sein. Und machen. Dazu gehört, es sich bewusst zu machen, immer, immer wieder. Wir vergessen so leicht, zu leicht. Wir sind so wenig dafür geschaffen, glücklich zu sein.