Donnerstag, 29. November 2012
+ Es geht immer weiter
auch wenn man manchmal vorher nicht wusste, wie.

Dry the River mit meinem absoluten Lieblingskollegen ging supergut, die Jungs waren fantastisch, das Knust war optimal nicht voll gefüllt, dass sie ihre letzte Zugabe zum Anfassen im Stehbereich gaben. Traumhaft schön, leise, laut, ruhig, bombastisch - die Jungs sind noch am Anfang, aber live: Hölle gut. Danach Quatschstunde im Foyer, und personalisierte CD-Cover. Mir hat Peter (der Leadsänger) was aufgeschrieben, was niemand entziffern kann (kannn hier jemand norwegisch???) - ansonsten war es der 2. Abend in Folge mit Vodka, weil ich den Fehler beging, meinem Kollegen von dem berlinerischen Abend zuvor zu berichten, mit echtem Weissrussen und töfte Vodka.

Und das mir, wo ich nie nicht Hartsprit trinke (es sei denn richtig guten Single Malt).

Schön. Der Berlin-Abstecher, meine Menschen dort und jetzt ein Konzert, dass ich dachte nicht zu überleben aus Gründen, aber sehen musste.
Es geht immer weiter.



Freitag, 16. November 2012
+ Was war
und ist: Ich habe keine lebenden Großeltern mehr.

Was war, ist und immer bleiben wird: Ich hadere. Vor allem mit mir und meinem Sein und Tun.

Was war: "The Gaslight Anthem" waren in Hamburg ---- leider in der Sporthalle Alsterdorf, was den Genuss und die Freude akkustisch enorm einschränkte -> NoteToMyself: Nie wieder Sporthalle.

Ansonsten: Let the bygones be bygone, aka: Rühre nicht dran. Es gibt nur einen Menschen, mit dem ich zu diesem Konzert ginge und deshalb ----- statt dessen: Ruhiges von Chris Cohen in den Astrastuben. Mit jemanden, den ich schon sehr lange schätze. Menschlich und beruflich.

Ansonsten war viel, zuviel und nichts davon lässt sich niederschreiben.



Montag, 22. Oktober 2012
+ Eine Kerze auf dem Flur,
ein wunderschönes Bild, auf dem er verhalten, aber glücklich lächelt neben ihr - in Sichtweite; in seinem letztem Zimmer.
Ein kleiner Mann in einem Bett, der bestimmt verlegen gewesen wäre, hätte man ihm gesagt: "Du hast mit offenem Mund geschlafen." Jetzt nicht mehr.

Er ist ihr recht schnell gefolgt: Ihr "der Guten", ohne die er weit über 60 Jahre nicht leben wollte und von deren Tod er zum Glück keine Kenntnis hatte. Demenz ist eine furchtbare Krankheit, aber gnädig manchmal. Die Menschen, die man liebt, liebt man im hier und jetzt, und im hier und jetzt erinnert man sich, dann, an vieles, aber man vergisst - wen man liebt und das Fehlen des Menschen, den man liebte und liebt, das bemerkt man kaum ode vergisst man auch.

Und es ist - bei aller Trauer - gut so.
Im Schlaf, ohne Schmerz oder verwirrende Krankenhäuser oder Behandlungen und Menschen, die keine Zeit oder Lust haben, einem alten, verwirrten und ängstlichen Mann zu erklären, warum er da bleiben muss, wenn er doch nur nach Hause will. Auch wenn der Begriff "zu Hause" keinen Sinn mehr macht oder Inhalt hat.

Über 90 und als Resume vielleicht ein eher "kleines" Leben - Verluste, Krieg, Familie, Arbeit, Rente.
Mir bleibt ein angenehmer, freundlicher, ernsthafter, hilfsbereiter und guter Mensch, mit viel Geduld und Freude am Erklären und an Menschen - und durch sein Leben eine unersetzbare Idee davon, dass das Leben und die Beziehungen nicht dadurch besser und wertvoll werden, dass man immerzu nach Besserem und Neuem strebt, sondern, dass man mit dem und bei dem, was man hat, etwas anfängt, daraus was macht - und sich an dem auch immer selbst beweisen muss - durch alle Kämpfe. Er hat mich über die Jahre sehr viel über Geduld, Beständigkeit und Beziehungen gelehrt, ohne es zu wissen. Danke, auch dafür.

Schlaf gut.
Auch wenn ich mich trotz Agnostizismus mit dem Gedanken tröste, dass du jetzt bei deinem Blümelein bist und ihr somit glücklich: Du wirst mir sehr fehlen - ihr beide.



Montag, 10. September 2012
+ Kleine türkis-rosa Tüpfelwolken im Grau
der depressiven Wetterlage:

Unser bester Mann in W.™ begibt sich in's Elbdorf zu dem, was sich für Eingeweihte Fachschaftsgespräche nennt; Sie wissen Bescheid.
Gut, den Hamburgern Jazz auf Fachkraftniveau zu präsentieren, steht wohl auch auf dem Programm - sodenn: Wenn Sie nichts Besseres vorhaben, kommen Sie doch mal nach Harburg! am Donnerstag oder Freitag. (Die entgeisterten Gesichter denk ich mir jetzt sofort wieder weg - nein,nein das geht wirklich.)
Gut, ob das jetzt wirklich klappt, werden wir erst wissen, wenn der feine Herr verloren-aber-unverdrossen vor den Türen des Flugbahnhofs rumlümmelt und dann vermutlich auf meinen Arm hüpft - schließlich weiß zumindest ich noch, was das letzte Mal passiert ist, als wir uns treffen wollten - diesmal sind wir auch schon wegen unvorhergesehener Komplikationen an der Donau 4 Tage hinter dem ausgetüftelten Masterplan.

Sonst: Eine Mail, die mich gefreut hat, die aber nicht leicht zu beantworten sein wird. Was ist schon leicht.

Mails, die schon wochenlang darauf warten, beantwortet zu werden, von Menschen, die es nicht verdienen, auf meine Stimmungen zu warten.

Wenig Kommunikation, zuviel Gedenke.

Zuviele Zweifel, zuwenig Erkenntnisse.

Zuwenig Farbschleier in meinem Grau dieses verspäteten Hamburger Sommers.

Zuwenig Menschen, die ich bei dieser Wetterlage um mich haben will, wohnen hier.

Vielleicht braucht es trotz (aka gerade wegen) der enorm starken Distanzierungsbestrebungen meinerseits genau jetzt Einnordung, Erdung, einen Arm, auf den man kann, meinethalben einen Tritt in den Arsch und somit den Menschen, der mich seit weit über einem Dezennium begleitet; jemanden mit einem intellektuellen, sozialen und emotionalen IQ weit über dem Üblichem oder auch nur Bekannten.
Den Menschen, für den und an dem ich für mich den Begriff "Lebensmensch" geprägt, geprobt und definiert habe.

Ich hoffe, die Wolken morgen zeigen sich türkis-rosa getüpfelt und weisen den Weg.



Samstag, 11. August 2012
+ Alt, simpel. Passt grad. Auch.
Die Zeit heilt alle Wunder
Wenn du sie gut verschnürst
Bind nur die Stelle gut ab
Bis du es gar nicht mehr spürst
Du weißt ein Feuer geht aus
Wenn du es länger nicht schürst
Und du weißt, dass du besser
An alte Wunder nicht rührst
Und auch das größte Wunder geht vorbei
Und wenn es dich nicht loslässt, zähl bis drei
Und es geht vorbei, es geht vorbei