+ Es ist vollbracht.
Unter Schmerzen, wie ich betonen muss. Nur 100 Bücher, so viel, was keinen Platz mehr findet oder schweren Herzens getauscht wird. Ich neige mein Haupt in Demut vor all den großartigen Büchern, die mich prägten und besonders vor denen, die ich vergaß.

Credo: Pro Schriftsteller nur ein Buch (wiewohl viele, sehr viele für eine Reihe von Büchern stehen, die man liebt), keine Erzählungen, keine Stücke; Prosa - Romane fast alles. Unvollständig natürlich. Zuviel hat sich überlagert.

100 Bücher, die das Fräulein liebt, nennt sich das. Weil sie wichtig waren für mich. Weil ich versunken bin. Weil ich niedergerungen wurde von Gedanken und Phantasie. Weil ich gelacht und geweint habe. Weil ich die Sprache geliebt habe. Weil es mit jedem dieser Bücher noch schöner wurde zu lesen. Weil ich alle diese Bücher wieder lesen würde und es bei vielen auch tue. Leichtes, Schweres, Klassiker und fast Unbekanntes - keine Wertung, alphabetisch. Jedes einzigartig und für mich wertvoll. Zusammen: Eine wunderschöne, verrrückte, einzigartige Familie.

Viel Spaß denen, die gern in anderen Regalen schmökern. (Kein Stöckchen, an diesem verschluckte man sich. Glauben Sie es mir.)

1. Andre Aciman: Ruf mich bei deinem Namen
2. Tschingis Aitmatow: Der weiße Dampfer
3. Ingeborg Bachmann: Malina
4. James Baldwin: Giovannis Zimmer
5. Jurek Becker: Jakob der Lügner
6. Thomas Bernhard : Wittgensteins Neffe: Eine Freundschaft
7. Heinrich Böll: Ansichten eines Clowns
8. Max Brod: Die Frau, nach der man sich sehnt
9. Italo Calvino: Wenn ein Reisender in einer Winternacht
10. Albert Camus: Der Fremde
11. Elias Canetti: Lebenserinnerungen (Die gerettete Zunge/Die Fackel im Ohr/Das Augenspiel)
12. Truman Capote: In Cold Blood
13. Louis-Ferdinand Céline : Reise ans Ende der Nacht
14. Jean Cocteau : Kinder der Nacht
15. Colette: Mitsou
16. Joseph Conrad: Herz der Finsternis
17. McCarthy Cormac : Die Straße
18. Simone de Beauvoir: Alle Menschen sind sterblich
19. Miguel de Cervantes Saavedra: Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha
20. Philip K. Dick: Blade Runner
21. Denis Diderot: Rameaus Neffe
22. Fjodor Michailowitsch Dostojewski: Die Dämonen
23. Friedrich Dürrenmatt: Durcheinandertal
24. Umberto Eco : Die Insel des vorigen Tages
25. Lion Feuchtwanger: Die Jüdin von Toledo
26. Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel
27. E. M. Forster: Maurice
28. Max Frisch: Montauk
29. William Gaddis: Die Erlöser
30. André Gide: Die Verliese des Vatikans
31. Iwan Alexandrowitsch Gontscharow : Oblomow
32. Alexander Grin : Purpursegel
33. Knut Hamsun: Hunger
34. Peter Handke: Der kurze Brief zum langen Abschied
35. Jarosl Hasek: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk
36. Eckhard Henscheid: Die Trilogie des laufenden Schwachsinns (Die Vollidioten /Geht in Ordnung - sowieso -- genau --- /Die Mätresse des Bischofs)
37. Wolfgang Hildesheimer: Tynset/Masante
38. Friedrich Hölderlin: Hyperion
39. Victor Hugo: Die Elenden
40. John Irving: Die wilde Geschichte vom Wassertrinker
41. Uwe Johnson: Mutmaßungen über Jakob
42. James Joyce: Ulysses
43. Franz Kafka: Der Process
44. Nikos Kazantzakis: Alexis Sorbas
45. Ken Kesey: One Flew Over The Cuckoo’s Nest
46. Victor Klemperer: Curriculum vitae
47. Wolfgang Koeppen: Tauben im Gras
48. Mario Vargas Llosa: Das Paradies ist anderswo
49. Thomas Mann: Der Zauberberg
50. Sándor Márai: Doch blieb er ein Fremder
51. Javier Marias: Der Gefühlsmensch
52. Gabriel Garcia Márquez : Die Liebe in den Zeiten der Cholera
53. Frank McCourt : Die Asche meiner Mutter
54. Carson McCullers: Das Herz ist ein einsamer Jäger
55. Ian McEwan : Der Zementgarten
56. Robert Menasse: Selige Zeiten, brüchige Welt
57. Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon
58. Gustav Meyrink: Der Golem
59. A. A. Milne: Winnie-the-Pooh
60. Karl Philipp Moritz: Anton Reiser
61. Harry Mulisch: Die Entdeckung des Himmels
62. Adolf Muschg: Das Licht und der Schlüssel
63. Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften
64. Vladimir Nabokov: Fahles Feuer
65. Peter Nadas: Buch der Erinnerung
66. Flann O'Brien: Auf Schwimmen-zwei-Vögel
67. Juan Carlos Onetti: Der Tod und das Mädchen
68. George Orwell: 1984
69. Amos Oz: Eine Geschichte von Liebe und Finsternis
70. Marcel Pagnol: Die Wasser der Hügel
71. Connie Palmen: I. M. (Ischa Meijer, In Margine, In Memoriam)
72. Georges Perec: Die Dinge
73. Fernan Pessoa: Das Buch der Unruhe
74. Marge Piercy: Gone to Soldiers
75. Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
76. François Rabelais: Gargantua und Pantagruel
77. Erich Maria Remarque: Zeit zu leben und Zeit zu sterben
78. Joseph Roth: Der blinde Spiegel
79. Henry Roth: Nenn es Schlaf
80. José Saramago: Die Stadt der Blinden
81. Jean-Paul Sartre: Die Wörter
82. Arno Schmidt : Das steinerne Herz
83. Frank Schulz: Hagener Trilogie ( Kolks blonde Bräute/Morbus fonticuli oder Die Sehnsucht des Laien/Das Ouzo-Orakel)
84. Winfried G. Sebald: Austerlitz
85. Hubert Selby: Last Exit to Brooklyn
86. George Simenon: Brief an meinen Richter
87. Antoni Skármeta: Mit brennender Geduld
88. John Steinbeck: Von Mäusen und Menschen
89. Andreas Steinhöfel: Die Mitte der Welt
90. Laurence Sterne: Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman
91. Adalbert Stifter: Der Nachsommer
92. Albert Vigoleis Thelen: Die Insel des zweiten Gesichts
93. Boris Vian: Der Schaum der Tage
94. Heimito von Doderer: Die totale Familie
95. Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen : Der abenteuerliche Simplicissimus
96. Ödön von Horváth: Ein Kind unserer Zeit
97. Kurt Vonnegut: Schlachthof 5
98. Robert Walser: Jakob von Gunten
99. Jozef Wittlin: Das Salz der Erde
100. Carl Zuckmayer: Als wär’s ein Stück von mir




an den schlachthof muss ich immer denken, wenn´s sich wieder jährt. wie lange haben sie für den mann ohne eigenschaften gebraucht?

"moe"? Verwirrt.

korrigiert!

Diese Abkürzungsfreunde :)
Oh, sowas merk ich mir nicht. Zumeist lese ich ja auch mehrere parallel. Aber nicht so lange. Also es gibt Bücher, da habe ich mir gemerkt, dass ich es immer häppchesweise über Monate las. Das gehörte nicht dazu.

ich hab ihn nicht zu ende geschafft, den eigenschaftslosen. aber die zwischenüberschriften sind 1 a.

Bücher haben ihre Zeit, immer. Vielleicht später mal. Für manche Bücher habe ich Jahre gebraucht, bis sie passten.

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chapeau.
sehr viele sind mir nur dem namen nach bekannt.
am liebsten ist mir der robert walser, den laurence sterne mag ich auch. ich vermisse den daniil charms und den egon friedell ach ja und mark twain

walser rules! allein die namen: "herr tobler". und dann immer einen stumpen im mundwinkel. achnee, das war der gehülfe. jakob ist ja im institut benjamenta. aber da gibt´s einen "kraus"!

Twain war drin, ist wieder raus. Charms hab ich mich noch nicht genähert und verstehe das als Tipp, von Friedell hab ich keinen Roman gelesen. Es fehlen so viele.

@undundund: WIe schön, dass das Begeisterung auslöst. Ich wandelte beim Sammeln auch zwischen begeisterten Erinnerungen.

ich habe mal eine prüfung über den herrn abgelegt, damals.

Das erzählen Sie mal bei der nächsten Gelegenheit.
OT: Ihre Bilder werden immer erstaunlicher. Mächtig gutes Auge. Bitte immer weitermachen.

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Zu bedanken habe ich mich bei Ihnen – da ist dann doch das eine oder andere Buch, der eine oder andere Name dabei, nach denen ich vermutlich einige Zeit gesucht hätte im wirren Zettelkasten meiner Erinnerungen. Sie haben mir beim Weitersortieren geholfen.

Besonders freue ich mich darüber, Georges Perec auf Ihrer Liste zu finden. Mich haben nahezu alle Oulipo-Schriftsteller auf wunderbare Weise vom Unnützesten überhaupt abgehalten, von der Arbeit; jedenfalls von der, die ich als solche empfunden habe; völlig mißachtend, welche Arbeit sie mit ihren Büchern gehabt haben dürften. Aber auch Gide, Gontscharow, Hildesheimer, Rabelais, Vonnegut und und und ... Eine feine Liste, die ahnen läßt, was da sonst noch alles durch die Regale Ihres Lebens gelesen wurde.

Was die Oulipo angeht, habe ich noch viele wunderbare Entdeckungen vor mir. Wie überhaupt es ja nie das Ende des Regals geben wird. Schön, dass Sie Freude und Erinnerungen hatten - und sogar Weitersortierhilfe!; mehr kann so eine Liste ja gar nicht leisten.

(Ich hoffte ja nun leise, dass ich hier mit Tipps und Lieblingsbüchern zugeschmissen werde, um den Horizont konzentrisch zu erweitern, aber bislang schmeissen die Besucher nicht so recht.)

kann mich da herrn stubenzweig nur anschließen:. große freude über die anwesenheit des einen oder anderen oulipoten in ihrer liste. und leichter neid, wenn da noch so viel neuland für sie zu entdecken ist. wünsche ganz viel freude beim weiter-und-immer-wieder-lesen dieser kleinen und großen meisterwerke.
bei perec unumgänglich natürlich "das leben" und das kleine aber feine "über die kunst seinen chef anzusprechen", queneau mit "die blauen blumen", roubaud "hortense", matthews "cia", pastior "gimpelschneise" undundundund...

Danke. "Das Leben" könnte da oben auch stehen; bei vielen ist es nur Zufall, welches da steht.

Alles notiert; die Liste geht an den kleinen Buchhändler des Vertrauens; was wird er sich freuen, mich wieder zu füttern.

Eilnotiz an den Buchhändler
(dem von Lorilo). @icks: Queneau – nicht nur die Blauen Blumen, alles von ihm; aber sozusagen last but not least sein letzter Roman, nicht nur die schönste Liebesgeschichte, die ich kenne: die einer Romanfigur, die beim zauberhaft blindmachenden Vorgänger des Pastis in einem Etablissemeng so eine kennenlernt, die ihm zu beweisen versucht, was es mit der Liebe auf sich hat. Zum Abheben beim Untenbleiben: Der Flug des Ikarus

Lieber Herr Stubenzweig,
das eilt nicht: Fein notiert wird das alles und nach und nach einverleibt. Eine Liebesgeschichte mit Absinth und Frauen, die beweisen wollen, was es mit der Liebe auf sich hat - daran käme ich doch gar nicht vorbei, Herr Kid würde sagen: Das hat er ja über mich geschrieben.

Wie schön, dass meine Liste Dank Ihnen allen endlos bleibt, aber ich habe am Wochenende gelernt:
Selbst mit geschätzten 20.000 Büchern in der Wohnung ist es immer noch endlos; etwas Schöneres, Beruhigenderes kann ich mir gar nicht vorstellen.

raymond&raymond
@jean stubenzweig: kann ihnen bei queneau wiederum nur zustimmen, weniger als alles ist da definitiv nicht genug. und schon das reicht kaum. aber man hat ja gottseidank die cent million milliards de poèmes als lesenslebensaufgabe zur hand.

ach ,und wenn wir schon bei den leise erzählten liebesgeschichten sind, möchte ich - falls nicht sowieso schon bekannt - noch raymond federman "eine liebesgeschichte oder sowas" ans herz legen.

Notiert, nicht bekannt. Wie schön. Danke.

Oh ja, «wir leben alle wie Küchenschaben in den Winkeln unserer verschrobenen Vorstellungen [...], schwanken hin und her zwischen Drüsenfunktionen und purer Lüsternheit, zwischen Einsamkeit und geistigem Unwohlsein». Das wiederum ist (auch) der, wie ich meine, unvergleichliche jüdische Humor. Und da hätte ich, was Drüsenfunktionen und Lüsternheit betrifft, gleich noch einen, der durch die Welt getrieben und alleingelassen wurde, was ihn letztlich dazu veranlaßte: Am Abend, als mich meine Frau verließ, briet ich ein Huhn.

Heute schon der zweite Schubser von Ihnen, sehr angenehm so. Die Liste wird stattlich und wunderschön, ich sehe das schon.
Danke.

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Das jemand noch Koeppen liest. Der Simplicissimus ist übrigens ein Bloggerroman, wenn man die Szene ein wenig betrachtet, und von Walser mag ich lieber "Der Gehülfe". Das hat er ja über mich geschrieben. Obwohl der Wassertrinker radikaler ist, bleibt mein Lieblings-Irving Cider House Rules. (Irgendwie merke ich gerade, ich bin kein Listenfreund.)

Listenfreund bin ich auch nicht recht, aber mich trieb schon ein wenig die Neugier um, wie meine (momentane) Liste gegen die vielfältigen Bücher-Listen der anderen aussähe.

(Außerdem ist es wunderbar sich zu erinnern. Und sei es nur an das, was man alles vergessen hat.)

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