+ Ein verzweifeltes Fräulein und ein Hilfeschreigesuch
Es ist Sonntag. Draußen scheint die Sonne, ein wenig atmet der Frühling durch, aber die Sonne scheint.
Das Fräulein, diszipliniert und fast erwachsen wie nur was, sitzt am Schreibtisch und arbeitet. Life’s a bitch, denkt sie, hier drin sitzen und arbeiten, bei dem Sonnenschein.
Dann aber: Jetzt aber mal zusammenreißen und in die Hände gespuckt.
Frisch an’s Werk und siehe da, eine Stunde später trüben graunasse Wolken den Himmel, den sie sowieso nicht sehen kann, aber die denkt sie sich, weil es wird dunkel. Bei den misanthrop-selbstmitleidig zugezogenen Vorhängen allemal. Nun, also Lampe an.

Lampe tut. Achso – also noch mal - Lampe:



tut. Fräulein arbeitet. Soweit befinden wir uns im Kontinuum.
Plötzlich macht es leise „pfffkrcht“, Lampe tut nicht mehr und das Licht geht aus. Birne futsch, seit sehr langer Zeit das erste Mal. Das Fräulein eilt an ihren Heimwerkerschrank und holt das Kistchen mit den Birnen. Wie gut, dass ich noch drei 75er habe, denkt das Fräulein, denn das ist genau die Art Licht, die sie beim Arbeiten schätzt.
Dann schnell die alterschwache ausgeschraubt und die neue Birne hinein; es leuchtet auf, es macht „pfffkrcht“, Lampe tut nicht und das Licht bleibt aus.
Holla, denkt das Fräulein fachmännisch souverän, hast du eine defekte erwischt. Flugs die nächste Birne flott eingeschraubt; es leuchtet auf, es macht „pfffkrcht“ - ich will Sie nicht langweilen.

Fakt ist, ich habe keine 75er mehr.
Fakt ist, beim 3. Versuch sprang auch die Sicherung raus.
Fakt ist, die Fassung sieht aus wie immer.
Fakt ist, Lampe tut nicht.
Fakt ist, sie hat keinen Grund da stimmt was nicht.
Fakt ist, -75 Watt machen gehörig was aus.
Fakt ist, das Fräulein hat Angst im Dunkeln möchte gerne Licht.
Auch Fakt ist, dass das Fräulein zwar ein Bild gerade an die Wand kriegt und auch sonst nicht grobmotorisch heimwerkert, aber dass des Fräulein Mutters Spruch: „Wen der Strom kennt, den lässt er in Ruhe“ (Oder war es: „Wer den Strom kennt, der lässt ihn in Ruhe.“?) auf das Fräulein nicht anwendbar ist; der Strom kennt das Fräulein allzu gut und grüßt jedes Mal.

Bitte - an all die gutaussehenden*, freundlichen, perfekten Heimwerker da draußen: Was tun?

(*Denken Sie sich bitte noch einen reizenden weiblichen, blinzelnden Augenaufschlag dazu. Muss ich erst weinen?)




Lampe ausstöpseln, Finger weg. Mehr darf sollte man aus der Ferne nicht raten. Ist wahrscheinlich gebrochen, muß man aber vor Ort röntgen, ehe man zur OP ansetzt.

Ich habe gwusst, dass mich heute noch etwas zum Weinen bringt, entweder das Beantworten oder das Nichtbeantworten des Hilfegesuches.

Kümmern SIe sich nicht um mich, ich gehe jetzt in's Bad, da ist es hell und in die Wanne, da sieht man die Tränen nicht.

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wie lange war die lampe denn an, bevor sie „pfffkrcht“ gemacht hat?

Hm, ungefähr eine halbe Stunde. Bewegt wurde sie auch nicht. Die Kabellage ist aber tatsächlich alt oder sogar original, glaube ich. Ich werd das heut Abend mal überprüfen (mit Stecker raus).

ne halbe Stunde ist natürlich nix, aber irgendwann ist die Zeit halt erreicht. Ich empfehle so etwas hier -> http://www.altelampen-berlin.de/

"Zeit erreicht" ??
Die Verkabelung wahrscheinlich, eventuell auch Fassung oder Schalter, aber nicht die Leuchte an sich. Soviel kann ich per Ferndiagnose sagen.

75 Watt heizen auf Dauer ganz schön ein, da wird die Isolierung mit den Jahren schon mal mürbe. Wenn originalverkabelt ist, würde ich nicht mal drauf wetten, dass die Adern auf dem letzten Stück vor der Fassung mit Hitzeschutzschläuchen geschützt sind.

An sich ist das keine Raketenwissenschaft, so was vorschriftsmäßig neu zu verkabeln. Falls Ihnen in Ihrer Stadt niemand einfällt, machen Sie im Blog doch eine Ausschreibung. Ich bin sicher, es gibt hier im Bloggerviertel ein paar (weitere) Zeitgenossen, die sowas können...

@ gibson: Danke für den Link, ich werde erst noch die heimwerkenden Männer meiner Familie mit Bittgesuchen belästigen, die haben ja auch alten Kram, so schwer kann das mit dem Kabel ja nicht sein.

@ Herr Mark793: Ihren Beitrag las ich erst jetzt, aber das hat mir Mut gemacht, danke. Vielleicht versuch ich es unter Anleitung selbst - man lernt ja gern dazu (die Restauration eines alten Waschtisches steht auch noch an und die Schwalbe will auch bald wieder flott gemacht werden für den Frühling)
Das mit dem Bloggerrundruf bleibt dann noch als ultima ratio.

Danke an alle, jetzt bin ich zwar noch ein betrübt, aber ich sehe wieder Licht, äh einen Hoffnungsschimmer.

Bei nicht einwandfrei funktionierenden Lampen sehe ich mir als erstes den Kontakt auf der Unterseite der kaputten Glühbirnen an, ob er durch einen Lichtbogen angegriffen wurde. Ist das der Fall, so kann es reichen, den Kontakt in der Mitte der Lampe mit feinem Schmirgelpapier von Korrosion zu befreien und ihn zurechtzubiegen.

Gut, wenn in der Familie alter Kram vorhanden ist, das spart das mühsame Suchen des Materials in Baumärkten. Das Reparieren schaffst du selbst, wenn du willst.

Hui, das ist ja nun richtig fachmännisch. Das Fräulein hat die Birnen aber im ersten Zorn weggeworfen uhnd bezweifelt, dass sie einen Unterseitenlichtbogenangriff erkennen würde als solchen.

Der große Bruder muss es richten am Wochenende. Das Fräulein guckt über die Schulter unterm Arm durch und schaut sich alles genauestens an.

Danke dir. Wie geht's meiner 2. Sehnssuchtsstadt?

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